Ende November 2018 gab es für mich, gemeinsam mit Josefa Fasching, einer alten Freundin aus Oberösterreich, einen ganz besonderen, langen und intensiven Schultag. Wir präsentierten Schülern und Schülerinnen am Kollegium Kalksburg das Guinea Hospital Projekt „Frouki“ (= Schwangerschaft in der lokalen Sprache Sousou). Im Advent haben wir am KK für dieses Projekt gesammelt: Den zahlreichen Spendern – sowohl Schülerinnen und Schülern als auch Eltern – sei hier ein großes Dankeschön ausgesprochen!

Dem vorausgegangen war ein zehntägiger Aufenthalt in Guinea (Westafrika) auf den Inseln Room und Tamara, wo ich Josefa besuchte und ihre ehrenamtliche Arbeit auf Schritt und Tritt miterleben durfte. Ich bekam dabei einen geschärften Blick auf Afrika – in all seiner Buntheit, aber auch seiner Not und seinem Elend.

Ein ganz besonderer Tag

Ich fühle mich innerlich bewegt und ergriffen, während ich durch das afrikanische Dorf auf der Insel Tamara, welches nur ca. eine Stunde von der pulsierenden Stadt Conakry entfernt liegt, geführt werde. Das ganze Dorf ist auf den Füßen, es herrscht festliche Stimmung. Heute wird das renovierte Krankenhaus „Poste de Santé de Tamara“ eröffnet. Viele Frauen, in farbenfrohe Gewänder, bedruckt mit Blumenmustern oder grellen Ornamenten, säumen den Weg. Die meisten von ihnen haben zwei oder drei Kinder an jeder Hand, das kleinste ist oft einfach auf den Rücken gebunden. Die Kinder klatschen, schreien, singen vor Freude. Sie kommen ganz nah und streiten sich, um die weiße Hand halten zu dürfen.

Große Freude vor dem Krankenhaus

Ältere Menschen sitzen vor ihren Hütten auf einem Plastik- oder Holzschemel. Die Männer tragen einfache T-Shirts und sind in zerfetzten Hosen gekleidet, fast alle sind barfuß oder bestenfalls mit Flipflops „beschuht“. Jede Menge Müll aller Art liegt auf den Straßen – manches taugt immerhin zum Spielen für die Kinder. Der Anblick ist trostlos.

Mitten in diesem Trubel wird Josefa von einer älteren Frau gerufen, damit sie sich ihren Fuß, der nach Monaten noch immer nicht heilen will, ansieht. Die offene Wunde ist handgroß. Der Verband wird in Windeseile abgenommen, die Wunde mit einer Salbe versorgt und wieder verbunden.

Eine ganz besondere Freude

Im Krankenhaus herrscht dennoch Freuden- und Feierstimmung. Die Menschen haben so viel Dankbarkeit in ihren Augen, dass man fast ein wenig beschämt ist. Jeder Raum verströmt noch den Geruch von frischer Farbe. Alles ist feinsäuberlich geputzt! Freudestrahlend und dankbar wird mir jedes Zimmer gezeigt. Es stehen schon ein paar Betten in den Zimmern, viel Equipment fehlt aber noch: Medikamente, medizinisches Material, Pflaster, Tupfer, Scheren etc. Schon werden Reis, Fladenbrot und ein paar große Wannen mit Gulasch herbeigetragen. Josefa warnt mich mit gehobenem Zeigefinger, dass es sich hier um Streetfood handelt, welches für einen europäischen Magen so gut wie ungenießbar ist. Trotzdem nehme ich aus Höflichkeit und Neugierde einen Schöpfer und mein Mund füllt sich mit einem feurigen und scharfen Geschmack.

Just in diese Feierstimmung platzt eine junge Frau – in Begleitung von zwei weiteren, wohl Schwester und Mutter – mit ihrem Sohn, der sich soeben die Ohren und den Rücken mit siedendem Wasser verbrüht hat. Sofort wird das Essen stehen gelassen und der Bub mit seiner Mutter in den Ordinationsraum gebracht. Seine Blasen und Wunden werden vorsichtig gereinigt und notdürftig verarztet. Der Bub ist tapfer und weint nur leicht.

Die Feierlichkeiten gehen weiter. Schließlich gibt es einen Tag wie diesen nur ganz selten. Aber schon morgen, wenn die Festivitäten vorbei sind, werden wieder viele Menschen in das Krankenhaus kommen und Mütter ihre Babys unter Schmerzen, aber in einer menschenwürdigen Umgebung zur Welt bringen. Josefa hat mit ihrem Projekt „Frouki“ nur ein kleines Krankenhaus renoviert, aber für diese Menschen auf der Insel hat sie die Welt verändert!

Zum Autor

Mag. Alois Ebner

Studium der Fachtheologie und selbstständigen Religionspädagogik; anschließend Hochschullehrgang für zwischenmenschliche Kommunikation an der Universität Innsbruck

seit 2000 Lehrer für kath. Religion, Klassenvorstand der 3d

Begleitung der Ministrantinnen und Ministranten und Mitglied des Pastoralteams am Kollegium Kalksburg

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