Heute kam ich in der ersten Stunde in den Unterricht und die Schüler schenkten mir ein Lächeln. Etwas ganz Normales, aber eben erst jetzt wieder…

Ich spürte eine gewisse Leere, vor die ich als Lehrer gestellt wurde, als im März des letzten Jahres der erste Lockdown verordnet wurde. Kein Stundenplan, kein Läuten der Glocke und – was vor allem fehlte – keine persönlichen Kontakte mit SchülerInnen und KollegInnen. Viele SchülerInnen und einige KollegInnen haben es sicherlich zunächst als befreiend empfunden. Ich hatte da gemischte Gefühle, denn nun galt es sich neu zu organisieren.

Drastische Veränderung

An den Beginn der Neuorganisation im ersten Lockdown stellte ich die Strukturierung meines Arbeitsplatzes, er sollte mich jetzt intensiver begleiten als sonst, denn die Tätigkeiten einer Lehrperson wandelten sich sehr drastisch. Ich gab vorerst eher Arbeitsblätter aus, denn ich dachte, dass die SchülerInnen für eine gewisse Eigenständigkeit dankbar wären. Aber schnell stellte sich heraus, dass die SchülerInnen von Arbeitsaufträgen übersättigt waren und sich auf die Videokonferenzen freuten, da hier zumindest irgendeine Art von Austausch mit den Gleichaltrigen möglich war. Ich freute mich auf jede Stunde des gemeinsamen Austausches mit meinen Klassen. Gute Stimmung verbreitet sich auch digital. Ich war auch dafür dankbar, dass es im Laufe des Schuljahres am Haus Schulungen für LehrerInnen im Microsoft Teams gab. So konnte man die technischen Schwierigkeiten leicht bewältigen.

Mein persönliches Highlight war das Projekt „Myth busters – Physik“. Hier konnten interessierte SchülerInnen Themen des Alltags in Teams posten. „Wenn das Ei nach unten sinkt, soll es noch frisch sein, schwimmt es aber an der Oberfläche ist es verdorben. Hat das etwas mit der Dichte bzw. der Luft im Ei zu tun oder wie funktioniert das?“, „Wie kommt es dazu, dass wir manchmal diese kleinen „Stromschläge“ verspüren? Entsteht das durch Reibung?“ oder z.B. „Wenn das Frisbee sich nun dreht, weil es geworfen wird, werden dann die Viren, die sich darauf befinden, herumgeschleudert oder bleiben sie auf der Oberfläche haften?“ Anfangs habe noch ich die Antworten gegeben, aber irgendwann wurde dies zu einem „Selbstläufer“ und die SchülerInnen beantworteten sich die Fragen gegenseitig auf physikalisch richtige Weise. Da entstand eine wirklich gelungene Eigendynamik.

Deutlicher Mehraufwand

Rückblickend war es dennoch mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, die gewünschten Inhalte des Lehrplans durchzubringen, egal ob mit Arbeitsblättern oder mit online gehaltenen Stunden. Man wurde richtig müde von den geänderten Anforderungen. Irgendwann hatte man sich zwar mit dem digitalen Abgeben von Hausübungen und der besonderen Korrektur abgefunden, dennoch blieb es ungewohnt. Es kamen zum Glück die wohlverdienten Sommerferien. Alle Schulpartner waren glücklich darüber.

Am Beginn dieses Schuljahres sah alles sehr gut aus. Es fühlte sich wieder „normaler“ an. Man ahnte nicht welche Herausforderungen und Neuerungen in diesem Schuljahr noch auf uns zukommen würden.

Schon nach wenigen Wochen wurden die ersten Corona-Fälle bekannt und es mussten Klassen zuhause bleiben. Es fühlte sich bedrohlich an und als Lehrer bemerkte man die Ängstlichkeit in manchen Klassen. Ich konterte diese Situation mit Zweckoptimismus und versuchte den SchülerInnen meiner Klassen eine gewisse Normalität mitzugeben. Mathematische und physikalische Inhalte als gelungene Abwechslung, dachte ich mir und war eigentlich ganz zufrieden mit den SchülerInnenleistungen.

Durchgetakteter Schultag

Dann kam der zweite Lockdown, in dem die Arbeitsaufträge bei mir weniger wurden und der Anteil an online gehaltenen Stunden zunahm. Es stellte sich schon fast etwas Routine ein und der Alltag strukturierte sich. Ein angenehmes Gefühl. Ich hatte allgemein den Eindruck, dass auch die SchülerInnen mit der Situation besser umgehen konnten, was sich in der regelmäßigen Abgabe von Hausübungen und der Mitarbeit im Unterricht zeigte. Sehr gerne erinnere ich mich an die Mathematikstunden in der 8br zurück. Es freute mich immer wieder die Gesichter zu sehen und mit der Klasse zu arbeiten.

Doch der Lockdown war lang und irgendwann stellte sich eine gewisse Aversion ein, eine Unterrichtsstunde vor einem schwarzen Bildschirm zu halten. Die SchülerInnen wollten oder konnten ihre Videos bisweilen nicht aufdrehen. Oft waren es Probleme der Internetverbindung, manchmal vermutlich Müdigkeit. Aber ohne Rückmeldungen der SchülerInnen (egal ob verbal oder nonverbal) ist die beste Unterrichtssequenz nichts. Ich merkte schon eine Erschöpfung bei allen Beteiligten.

Nach mehreren Wochen, des aus meiner Sicht unbeliebten Schichtbetriebs, ist es nun wieder möglich, frei und wie gewohnt zu unterrichten. Ich merke wie sehr mir die Struktur der Schule abgegangen ist und ich das Zwischenmenschliche vermisst habe. Als am Dienstag auch die Maskenpflicht im Unterricht gefallen ist, war eine weitere Erleichterung in der Klasse spürbar. Ein tolles Gefühl, wieder einen regulären Unterricht zu haben und zur Begrüßung ein Lächeln geschenkt zu bekommen.

Zum Autor

Mag. Simon Lechner

ist Lehrer für Mathematik und Physik. Er unterrichtet das Wahlpflichtfach Social-Media-Marketing und ist für den Social-Media-Auftritt der Schule verantwortlich.

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