„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt“, wem er aber wahre Gunst erweisen möchte, lässt er wieder in die Heimat zurückkehren, zu den Wurzeln, wo alles begann.

Diese Worte der Anfangszeile eines Gedichtes von Joseph Freiherr von Eichendorff kamen mir in den Sinn, als mein Mann und ich nach Jahren des „Nomadentums im Frack und Abendkleid“ im Vorjahr wieder nach Österreich zurückkehrten. Nach einigen Monaten, die dem Umzug und den Mühen des Wieder-Einziehens und Einrichtens zum Opfer fielen, war für mich klar, dass ich wieder meinen früheren Beruf ausüben wollte, den ich nie aufgegeben hatte und auch an diversen Dienstorten meines Mannes, unter anderem vier Jahre an der ehrwürdigen Jagiellonen Universität in Krakau, als Lektorin ausübte. Auch blieb ich stets in Kontakt mit ehemaligen Schülern und Kollegen, die mir in jedes Gastland folgten, was mich sehr freute.

Traditionen leben und Neues gestalten

Nach meiner Rückkehr nach Wien stand für mich fest, dass ich natürlich nur an meine alte „Stammschule“, dem für mich persönlich nicht minder ehrwürdigen und bedeutenden Kollegium Kalksburg zurückkehren wollte, wo ich im Jahr 1982 als junge Probelehrerin meine Lehrtätigkeit aufnahm und vom damaligen Direktor, Herrn Hofrat Dr. Erich Schmutz, auch sogleich mit den Agenden eines Klassenvorstands sowie mit Englisch- und Geschichtsklassen betraut wurde. Sehr bald wurde mir auch die Organisation und Durchführung des ersten mehrwöchigen Sprachaufenthaltes in ein englischsprachiges Land mit meiner siebenten Klasse – damals Irland – anvertraut. Dies war ein absolutes Novum im damaligen Humanistischen und Realistischen Gymnasium, wo man bis dato ausschließlich Kulturreisen nach Rom und ins klassische Griechenland unternommen hatte.

Schüler im Garten der Österrichischischen Botschaft London

Kalksburg-Gefühl für Generationen

Der Zufall wollte es, dass für meine Fächerkombination ab Herbst 2018 eine Lehrkraft gesucht wurde, und so konnte ich meine Lehrtätigkeit am 3. September 2018 in diesem traditionsbewussten Haus wieder aufnehmen. Die Überraschung war unbeschreiblich, als ich bald herausfand, dass sich in einer Klasse, die ich jetzt unterrichte ein Sohn und eine Tochter von Schülern aus meinem ersten Unterrichtsjahr am KK und Kinder von Teilnehmern an der oben erwähnten Irlandreise befinden. Es mag vielleicht pathetisch klingen, aber: Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit in diese und alle anderen lieben und neugierigen Schülergesichter zu blicken und sie unterrichten zu dürfen, und meinen reichen Erfahrungsschatz weiterzugeben. Ich werte diesen Zufall als gutes Omen für meine „neue“ Zeit an „meiner alten Schule“, dem Kollegium Kalksburg.

Zur Autorin

Professorin Brix mit ihrem Gatten vor Downingstreet 10

Mag. Dr. Elisabeth Brix

Mag.phil. und Dr.phil., Studium der Geschichte und Anglistik/Universität Wien

1982-1990 Lehrtätigkeit am Kollegium Kalksburg
1988-1990 Personalvertreter
1990-1995 Aufenthalt in Krakau/Polen
1991-1995 Lektorin an der Jagiellonen Universität Krakau
1995-1999 Aufenthalt in London/UK
1999-2010 Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit am Kollegium Kalksburg
2006 Erwerb des ECHA- (European Council of High Ability) Diploms zum „Specialist in Educating the Gifted“
2010-2017 Aufenthalt in London und Moskau/Russische Föderation (siehe Bild mit ihrem Gatten Herrn Botschafter Dr. Emil Brix vor Downing Street 10)
Seit 2018 Erneute Lehrtätigkeit am Kollegium Kalksburg

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