Ein helles und freundliches Ambiente empfängt die Besucherin des Büros der VOSÖ auf der Freyung nahe der Schottenkirche. Mit herzlicher Geste werde ich von Sr. Cäcilia Kotzenmacher willkommen geheißen. Sie ist die Stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs, jenes Schulvereins, der auch als Träger für das Kollegium Kalksburg fungiert. Unsere Schule war damals das Gründungsmitglied und Pilotprojekt der VOSÖ, die dort einspringt, wo Orden ihre Aufgabe als Schulerhalter nicht mehr wahrnehmen können. In jedem Satz spürt man die Lebendigkeit und Engagiertheit der Ordensschwester, Langzeitdirektorin des Theresianums in Eisenstadt (32 Jahre lang) und Vollblutpädagogin. Das Theresianum war auch der Ort, wo der zündende Funke nach der Klosterschule in Neusiedl bei ihr selbst gesprungen ist. Voller Dankbarkeit erzählt sie mir, dass ihre drei älteren Geschwister gearbeitet haben, um den jüngeren drei Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, nachdem der Vater im Krieg geblieben ist und die Mutter mit sechs Kindern zunächst nicht einmal ein Dach über dem Kopf hatte. Das Kämpfen der Mutter ums Überleben und der große Stellenwert einer Ausbildung in der Nachkriegszeit haben sie nachhaltig geprägt.

Worin sieht Sr. Cäcilia nun die Hauptaufgabe von katholischen Privatschulen und was ist für sie das Besondere an einer Schule wie dem Kollegium Kalksburg?

„Wir als katholische Einrichtung müssen unseren Stellenwert bewahren und wissen, wofür wir stehen“, meint sie. Trotz aller Offenheit sollte die Kernaufgabe – die Vermittlung der Botschaft Jesu – nie verleugnet werden. Für Sr. Cäcilia haben alle insgesamt 17 Standorte der VOSÖ ein eigenes unverwechselbares Profil entwickelt, das auch nach dem Wechsel von der Ordensschule zur Schule in Ordenstradition nicht aufgegeben werden sollte. „Man kann nicht 17 Schulen auf einen Level bringen und wir können den Orden nicht ersetzen. Viel wichtiger jedoch ist es für jede Schule, dieses eigene Charisma ins Heute zu übersetzen und so dafür zu brennen, dass es verstanden werden kann.“ Und für jede dieser Schulen gilt: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und als Person wahrgenommen werden. „Es geht um die Personenzugewandtheit“, meint sie.

Verantwortungsbewusstsein und Empathiefähigkeit

Gute katholische Privatschulen vermitteln nicht nur fundiertes Wissen, sondern befähigen zum Verantwortungsbewusstsein, zur Empathiefähigkeit, zum nachhaltigen Umgang mit der Natur und letztlich auch zum spirituellen Empfinden. Die Frage „nach oben“ offen zu halten, zu spüren, dass es mehr gibt als nur das, was man sieht, findet sie besonders wichtig. „Auch wenn es manchmal drei bis vier Jahrzehnte dauert, bis man die Früchte der Saat ernten kann“, weiß sie schmunzelnd aus eigener Erfahrung zu berichten.

Für Sr. Cäcilia ist dieses Kümmern um den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit auch der Grund, warum katholische Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen boomen, während die Relevanz von Kirche in einer zunehmend säkularen und multireligiösen Gesellschaft sinkt. Wenn Pädagogen es schaffen, den jungen Menschen neben der Wissensvermittlung so weit zu befähigen, dass er sein eigenes Charisma ausleben kann, ist das Ziel erreicht. Dabei müsse man sehr viel zuhören. „Das Zuhören ist die Umarmung der Seele“: ein Spruch, der ihr in diesem Zusammenhang besonders gut gefällt.

Wissensvermittlung und „Magis“

Auf die Frage, was für sie das Besondere am Kollegium Kalksburg sei, lächelt sie. „Kalksburg war schon immer ein bisschen anders und wir sind sehr froh, dass es mit Pater Hans Brandl wieder möglich ist, einen Jesuiten vor Ort zu haben“, meint sie. Aber auch hier sollte sich neben einer gediegenen Wissensvermittlung das ignatianische „Magis“ beispielsweise in Sozialprojekten widerspiegeln, sodass ein Gefühl für die Ganzheitlichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen entwickelt wird.

Wie sollte ein Kalksburger Maturant des Jahres 2020 vom Persönlichkeitsprofil aussehen? Die Antwort kommt prompt: „Er sollte ein selbstbewusster Mensch sein, einer der weiß, was er will. Ein Mensch, der ganz bewusst hinausgeht und das weiterentwickeln möchte, was grundgelegt wurde. Auch wenn er es vielleicht nicht sofort verstanden hat, sollte sich ein Charisma im Laufe der Zeit herauskristallisieren. Es geht letztlich immer um die Verbindung von Kopf, Herz und Hand.“

Unterrichtsinhalte und feierliche Anlässe

Auf die Abschlussfrage, was für sie der schönste Event im Schuljahr am Kollegium Kalksburg sei, lächelt sie wieder. „Wir katholischen Privatschulen legen viel Wert auf Feste und Feiern, die wir im Unterricht schon sorgfältig vorbereiten wollen. Deshalb sind die Konzerte und das Hausfest rund um den 8. Dezember meine Highlights in Kalksburg.“

Zur Person

OSR Sr. Cäcilia Kotzenmacher SDR

Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs (VOSÖ)

Das Gespräch führte Dr. Petra Mitlöhner

Sie unterrichtet Mathematik und Musik am Kollegium Kalksburg und ist eine wesentliche Person des Redaktionsteams unseres Blogs.

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