Das Coronavirus bewegt alle Menschen, denn das alltägliche Leben wurde auf den Kopf gestellt. Gerade im Bereich der Schule hat sich die Form des Lernens massiv geändert. Wir, Lehrerinnen und Lehrer, sind auf eine ganz neue Art gefragt, das weit entfernte Gegenüber zu motivieren. Die Schülerinnen und Schüler sind dabei auf ihr häusliches Umfeld beschränkt und können sich nicht mehr auf die Struktur des schulischen Alltags verlassen.

Aber wie geht es unseren Schülerinnen und Schülern damit? Ich habe einige Stimmen aus der Oberstufe dazu eingeholt.

Zunehmende Selbständigkeit

Genau diese Erfahrung haben viele von uns in letzter Zeit gemacht. Selten wurden so viele Postings, Fotos und Videos über den gesamten Erdball hinweg verschickt und geteilt. Viele arbeiten von zuhause, im Homeoffice – und das gilt auch für Schüler und Lehrer.

distance-learning

Felix (7b) sieht das Arbeiten in dieser Zeit als eine Vorübung für das Studium und trainiert Selbstdisziplin und sinnvolles Zeitmanagement, wenngleich ihm, wie er sagt, langsam neue Informationen abgehen.

Generell können einige unserer Schüler der an sich unerquicklichen Situation durchaus etwas abgewinnen: Das weitgehend eigenverantwortliche Arbeiten nehmen manche als Zuwachs an Selbständigkeit wahr. Raneem (5a) etwa versucht jetzt mehr als früher allein an der jeweiligen Lösung zu arbeiten. Er zitiert in dem Zusammenhang gar Platon: „Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“O

Offene Feedback-Kultur

Nyla (5a) wiederum freut sich, dass sie sich bei anstehenden Fragen an den jeweiligen Lehrer wenden kann. Sie merkt, dass wir als katholische Privatschule bemüht sind, trotz örtlicher Distanz die persönliche Nähe zwischen Lehrern und Schülern aufrechtzuerhalten. Durch eine offene Feedback-Kultur versuchen wir laufend Verbesserungen an der Lernweise vorzunehmen.

Microsoft Teams auf Schultasche

Aber auch jenseits des schulischen Lebens sehen manche Schüler positive Aspekte der gegenwärtigen Situation. So ist Christopher (7b) dankbar, weil es ihm jetzt viel klarer als vorher sei, wie wichtig und wenig selbstverständlich es ist, an einem relativ offenen Ort zu leben und eine gewisse Freiheit zu genießen.

Spürbare Ungewissheit

Allerdings gibt es auch Kehrseiten des Distance-Learning. Davon sind vor allem die Achtklassler betroffen:

„Das Schwierigste für mich ist, in dieser Situation immer die Matura im Hinterkopf zu haben, jedoch nie genau zu wissen, wann, wie oder ob sie überhaupt stattfinden wird“, so Clemens (8b). Andere, wie Johannes (8b), befürchten, dass sich die Matura mit dem Sommerjob überschneiden könnte. Paul (8b) wiederum betont ganz besonders das Positive dieser Ausnahmezeit. Er sieht die freigewordene Zeit als Chance, sich für die Matura noch besser vorzubereiten und nützt digitale Medien, um sich mit Mitschülern fachlich auszutauschen.

Alles in allem dürften unsere Schülerinnen und Schüler – im Gegensatz zu mancher medial transportierten Aufregung – mit den ungewohnten Herausforderungen recht gut zurechtkommen. Und auf das frühe Aufstehen können die meisten ohnehin verzichten…

Terminkalender

Eine ganz besondere Rückmeldung, in Form eines Gedichts, möchte ich den Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten:

Das Corona-Paradoxon

Geht man alleine aus dem Haus,
weicht allen gleich am Gehsteig aus,
so kommt mit Schreiben man doch eher
den ander’n Menschen wieder näher.

Ich sehe aus Corona schon
Erwachsen ein Paradoxon:
Sich physisch aus dem Weg zu geh’n,
bringt virtuell zusammensteh’n.

Max Wunderlich, Vater einer Kalksburg-Absolventin aus dem Jahr 2010

Zur Autorin

Petra Mitlöhner in München
Dr. Petra Mitlöhner

Sie unterrichtet Mathematik und Musik. Sie ist Mitglied des Blog-Teams.

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