Am 5. Mai jährt sich der Todestag von Napoleon Bonaparte zum zweihundertsten Mal. Aber in welcher Verbindung steht dieser zum Kollegium Kalksburg?

Heute wissen es meist nur historisch Interessierte, welches napoleonische Kleinod seit dem 29. April 1875 bei uns beheimatet ist: Es ist der Altar in der Kongregationskapelle – dies ist der Sterbealtar des französischen Generals, revolutionären Diktators und Kaisers der Franzosen.

Kaiser der Franzosen

Napoleon Bonaparte wurde am 15. August 1769 auf Korsika geboren. Während der französischen Revolution stieg er in der Armee bis zum General auf und übernahm zunächst als Erster Konsul der französischen Republik, später als Kaiser, die Macht. In dieser Zeit überzog er fast ganz Europa mit Krieg, Elend und einer Schreckensherrschaft, bis er schließlich am Feldzug gegen Russland scheiterte, was schlussendlich zu seinem Sturz und zur Verbannung auf die Insel Elba führte. 1815 kehrte er für hundert Tage an die Macht zurück, wurde aber in der Schlacht bei Waterloo endgültig besiegt und bis zu seinem Lebensende auf die Insel St. Helena verbannt.

Kongegationsaltar alte Aufnahme

Und dort beginnt die Geschichte, die Napoleon auch mit dem Kollegium Kalksburg verbinden soll: Die Verbannung darf man sich nicht als ein Wegsperren, geschweige denn mit einer Bestrafung in einem Gefängnis vorstellen. Napoleon wohnte in einer Villa, umgeben von einem ganzen Hofstaat, mit all seinem persönlichen Hab und Gut. Darunter befand sich auch ein Reisealtar, eben jener Altar, der auf Umwegen schließlich in Kalksburg landete, wie noch zu berichten sein wird. Solche Reisealtäre waren zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches, sie begleiteten ihre Besitzer nicht nur an die verschiedensten Aufenthaltsorte, sondern sogar ins Feld, also zu den diversen Kriegsschauplätzen.

Wie kam der Altar nach Kalksburg?

Woher dieser Altar ursprünglich stammt, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet, dass er in Rom hergestellt wurde. Gesichert ist, dass Napoleon den Altar von seinem Onkel, Kardinal Fesch, geschenkt bekommen hat.

Kongegationsaltar alte Aufnahme

Nach dem Tod des Kaisers beginnt eine, leider nicht ganz gesicherte Reise des Altars, zuerst zu seinem Bruder Louis Bonaparte, dann in das Schloss Arenenberg (Thurgau, Schweiz), dann zu seinem Sohn, dem Herzog von Reichstadt, der am Wiener Hof lebte. Und so kam der Altar schließlich nach Wien, zunächst zu den Schwestern ins Sacré Coeur am Rennweg, die ihn den Jesuiten im Jahre 1875, gedacht für das Collegium Beatae Mariae Immaculatae Virginis zu Kalksburg, schenkten.

Aussehen und Wandel

Jetzt darf man sich aber auch nicht vorstellen, dass dieser über acht Meter hohe Altar, mit allen Statuen und Ausschmückungen, Napoleon auf seinen Reisen begleitete, sondern es war nur der innerste Kern, mit den beiden Säulen und der verbindenden Pilgermuschel am Haupt des gesamten Ensembles. Gesichert ist auch, dass er zunächst in seiner Mitte eine Marienstatue enthielt, die erst 1881 durch das Bild der Mater ter admirabilis ersetzt wurde. Sein heutiges Aussehen und jetzigen Standort erhielt er erst im Jahre 1907. Bis dahin erlebte er auch noch im Haus viele Veränderungen, die aber einem eigenen Beitrag bedürfen, besonders auch die Geschichte rund um das Gnadenbild und all den Herzen und den anderen Votivgaben, die den Altar selbst, aber auch die ganze Kapelle zieren. Abschließend lässt sich festhalten, dass so ein Stück französischer Geschichte in Kalksburg „eingebaut“ ist.

Zum Autor

Albert Roth
Albert Roth

ist im Kollegium Kalksburg für das Tagesinternat und die individuelle Lernbegleitung mitverantwortlich. Sein reicher Erfahrungsschatz von der Geschichte des Hauses begeistert und inspiriert die Schulgemeinschaft.

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