Was hat ein Kiosk mit dem Schulgelände in Kalksburg zu tun?

„Von den Gebäuden oder Gebäuderesten, die aus der Zeit vor 1856 gegenwärtig noch auf unserem Besitze vorhanden sind, ist eines der bedeutendsten der Rundturm (Kiosk) hinter der Küche beim gegenwärtigen Spielplatz der I. Abteilung. Er macht immer noch einen imponierenden Eindruck. Wie hat er einst ausgesehen? Aus welcher Zeit stammt er? Welchem Zwecke dient er?“ (Korrespondenz 12/1933, S. 13)

P. Franz Treml, der diesen Artikel in der Korrespondenz aus dem Jahre 1933 schrieb und der hier in stark gekürzter Form dargestellt werden soll, erzählt, dass er oft „sinnend vor ihm“ (dem Kiosk) stand und sich diese Fragen stellte. Aus mündlicher Überlieferung stand fest, dass er 1856, zur Gründung des Kollegs noch von einem Wassergraben umgeben war. Immer wieder wird auch behauptet, dass Kaiserin Maria Theresia öfter hier zu Besuch bei Freiherrn Mack, ihrem Hofjuwelier, war. Auch wurde überliefert, dass jemand darin begraben sein soll.

Es ranken sich also viele Geheimnisse rund um dieses Bauwerk und es ist gut, wieder einmal genauer hinzuschauen.

Zur 75-Jahrfeier des Kollegs tauchte ein Bild des Rundturms auf, dessen Kopie, angefertigt von P. Vinzenz Frodl S.J., hier auch zu sehen ist.

In der Mitte des Bildes ist klar unser Rundbau zu erkennen, von Wasser umgeben und mit einer Steinbrücke versehen. In der Beschreibung ist zu lesen: „Er ist, wie man sieht, gegenwärtig noch ziemlich unverändert erhalten. Nur die bis zum Boden reichenden Glastüren sind zum Teil vermauert, oder durch Holztüren ersetzt. Auch das oben auf dem Gesimse zu lesende „Monumentum“ ist verschwunden.“ (Korrespondenz 12/1933, S. 14)

Das gewaltige Fundament kam durch das Auffüllen des Wassergrabens unter die Erde, nur vom Mehrzweckraum aus ist es heute noch zu sehen. Auch die steinerne Balustrade wurde abgetragen und diente viele Jahre als Begrenzung der Eingangsstiegen (Rondeaus) und entlang des Weges zwischen den beiden Haupttüren, wie auf der Abbildung zu erkennen ist.

„Der Kiosk dürfte“, so die Recherche von P. Franz Treml S.J., „zwischen 1790 und 1820 gebaut worden sein.“ Das würde die Geschichte, dass Maria Theresia hier schon gefrühstückt habe, als Gerücht entlarven, sie starb ja bereits 1780.

Wozu diente nun dieser Rundbau? Den Recherchen folgend, weißt alles darauf hin, dass er als Monument der „dankbaren Söhne Macks ihren Eltern noch zu Lebzeiten am 1. Juli 1796“ gewidmet wurde. „Fraglich bleibt aber, ob auch der Rundbau damals zum Zwecke der Aufnahme des Monumentes neu errichtet wurde oder ob er schon früher stand und 1796 nur einer neuen Bestimmung zugeführt wurde.“ (Korrespondenz 12/1933, S 16)

Hinweis auf Nutzung und Zeit ergibt die Überlieferung, die besagt, dass sich im Inneren jene Büste Franz von Macks befand, die noch heute zum Teil in der Pfarrkirche von Kalksburg erhalten ist. Ihr zur Seite ist eine weibliche, trauernde Gestalt zu sehen und am Sockel ein Bild seiner ersten Gemahlin Helena. Links davon soll sich noch kniend ein betendes Kind befunden haben, wahrscheinlich der früh verstorbene Enkel Franz Seraphin und rechts ein Storch als Symbol der Dankbarkeit. Die Geschichte, dass im Kiosk jemand begraben worden war, scheint auch nur ein Gerücht zu sein, das durch das Macksche Denkmal entstanden war.

Richtig ist aber auf alle Fälle, dass das Monument Teil eines englischen Gartens war – nähere Details dazu werden in einer anderen Ausgabe dieses Blogs erscheinen, wie auch die Beschreibung der freimaurerischen Symbolik, die innen und außen zu erkennen ist.

Erwiesen ist, dass sich im Fundament der Eiskeller als Lagerraum für die Kollegsküche befand und dass der Raum oberhalb in Kriegstagen als Hühnerstall diente.

So blickt unser Kiosk schon auf eine lange und vielfältige Geschichte zurück und wichtig wäre es, dass wir Kalksburger dieses Kleinod, dieses historische Schmuckstück, an manchen Stellen in der Literatur wird auch vom „Tempel der Vollkommenheit“ gesprochen, das immerhin über 200 Jahre alt ist, wieder etwas mehr schätzen lernen und seinen stetigen Verfall stoppen.

Zum Autor

Albert Roth
Albert Roth

ist im Kollegium Kalksburg für das Tagesinternat und die individuelle Lernbegleitung mitverantwortlich. Sein reicher Erfahrungsschatz von der Geschichte des Hauses begeistert und inspiriert die Schulgemeinschaft.

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